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Solidarität mit der Casa Kùa

Das queere, trans of Color und QTIBIPoC zentrierende Community- und Gesundheitszentrum Casa Kùa ist von einer in der jüngeren Geschichte Deutschlands beispiellosen Polizeirazzia betroffen. Als Hannchen-Mehrzweck-Stiftung stehen wir solidarisch hinter unsere*r Projektpartner*in Casa Kùa, die wir für ihren unschätzbaren Beitrag zur Stärkung von Transcommunitys erst 2024 mit dem Waltraud-Schiffels-Preis geehrt haben. Wir unterstützen gerade jetzt mit unserer Projektförderung die Dolls of Berlin, deren Communityarbeit von und für transfeminine Personen, die besonders häufig von Gewalt und Prekarisierung betroffen sind, neue Maßstäbe setzt. 

Unter dem Vorwurf einer illegalen Hormonweitergabe störte die Polizeirazzia einen Begegnungs- und Sorgeraum für Transfrauen und nicht-binäre transfeminine Personen. Polizeigewalt und polizeiliche Einschüchterungen insbesondere gegen trans und queere Personen of Color nehmen in Berlin in besorgniserregendem Maße zu. Dafür sprechen etwa Verbote von Demorufen auf Türkisch und Kurdisch bei einem Protest gegen die queerfeindlichen staatlichen Angriffe in der Türkei am 11. Oktober dieses Jahres und anschließende Angriffe auf Demonstrierende; oder auch die Polizierung und Polizeigewalt, die bei der Internationalistischen Queer Pride in Berlin dokumentiert wurden. Dass nun ausgerechnet ein trans und queer of Color Communityzentrum von einer Polizeirazzia betroffen ist, ein safer space für Menschen, die im Alltag besonders von Trans- und Queerfeindlichkeit, Rassismus und Armut betroffen sind, reiht sich in diese Dynamik ein. 

Dass Transpersonen in Deutschland nicht oder nicht in ausreichendem Maße Zugang zu medizinischer Versorgung, zu benötigten geschlechtsaffirmierenden Gesundheitsprodukten und zu anderen Gütern der allgemeinen Daseinsfürsorge haben, ist Ergebnis und Ausdruck einer Politik des Misstrauens gegen queeres Leben. Diese Politik missachtet die Selbstbestimmung über den eigenen Körper und verstärkt Prekarisierung, indem sie Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabechancen weiter von Faktoren wie dem sozialen und ökonomischen Hintergrund und der Herkunft abhängig macht. 

Als Hannchen-Mehrzweck-Stiftung fordern wir eine politische Aufarbeitung des Vorfalls und seiner Implikationen. Das Recht auf Gesundheitsversorgung und das Recht auf freie Entfaltung sind Menschenrechte – das schließt die Sicherheit von Räumen und den Zugang zu Hormonen ein. Menschenwürdige Lebensbedingungen müssen auch für Transpersonen uneingeschränkt geltend gemacht werden. Wir stärken dem betroffenen Projekt Casa Kùa und den Dolls of Berlin den Rücken und stehen solidarisch an ihrer Seite. 

Wir fordern

  • Politische Verantwortung: Die Berliner Innenverwaltung muss sich öffentlich zu den Umständen und der Verhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes äußern, und ihrer politischen Verantwortung gerecht werden.
  • Unabhängige Überprüfung: Wir erwarten eine unabhängige Überprüfung der Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit des Vorgangs, die auch die Auswirkungen auf die betroffene Community in Betracht zieht.
  • Strukturelle Konsequenzen: Queere, trans und migrantische Schutz- und Freiräume müssen wirksam vor Diskriminierung und unverhältnismäßigen staatlichen Eingriffen geschützt werden. 
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