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Waltraud-Schiffels-Preis 2022 geht an die „Praxisgruppe ‚Klassismus und trans*inter*nicht-binär′“

Zum Transgender Day of Visibility (TDOV) am 31.3.2022 wird aus Mitteln des Fonds erstmals der mit 1.000 Euro dotierte Waltraud-Schiffels-Preis für herausragende Projekte aus der trans* Community vergeben.

 

Hierzu erklärt Janka Kluge, die Stifterin des Waltraud-Schiffels-Fonds: 

„Wir vergeben den Waltraud-Schiffels-Preis im Andenken an die Namensgeberin im Jahr 2022 zum ersten Mal. Den Preis erhält die „Praxisgruppe ‚Klassismus und trans*inter*nicht-binär‘‘‘, konzipiert und organisiert durch Frede Krischan Macioszek und Gregöre Elisabeth Hamann. Darüber freue ich mich außerordentlich! Das Projekt greift ein Thema auf, das mir ganz persönlich sehr am Herzen liegt. Die Erwerbs- und Bildungsbiografien so vieler trans* und inter* Personen sind durch die Erfahrung, ausgeschlossen und ausgegrenzt zu werden, massiv beeinträchtigt. In der Folge verfügen die Betroffenen über ein vermindertes Erwerbseinkommen. Sie sind dadurch nicht nur in der gesellschaftlichen Teilhabe, sondern auch in der Gestaltung ihrer Transition benachteiligt. Was viele dieser Personen als individuelles Schicksal und persönliches Scheitern erleben, ist tatsächlich eine Folge struktureller Diskriminierung. Der TDOV ist ein guter Anlass, um in der queeren Community und in der Gesellschaft Sichtbarkeit für diese Situation herzustellen und für solidarisches Handeln zu werben. Es ist Frede Krischan Macioszek und Gregöre Elisabeth Hamann anzumerken, dass es ihnen ein besonders wichtiges Anliegen ist, Räume zu schaffen, in denen Selbstermächtigung gelebt und Solidarität erfahren werden kann.“ Besonders gefalle ihr, dass die beiden Aktivist*innen ihre eigene Verletzlichkeit und ihre Zweifel nicht verleugneten und es anderen auf diese Weise leichter machten, mit ihren Verletzungen umzugehen.

 

Dr. Klaus Müller, Vorsitzender des Vorstands der hms, dankt der Jury für ihr Engagement bei der Auswahl der Preisträger*innen. Neben Janka Kluge gehörten der Jury auch Lilly Schuman, die Ehefrau der im Februar 2021 verstorbenen Dr. Waltraud Schiffels an, sowie Luan Pertl aus dem Vorstand der hms. „Die Schaffung selbstbestimmter und -gestalteter Räume war bereits ein wichtiges Anliegen unseres Stifters Andreas Meyer-Hanno. Ebenso wie der kritische Umgang mit Ausgrenzung in unseren eigenen Reihen. Deshalb hätte ihm die Thematisierung von klassistischer Diskriminierung gut gefallen,“ betont Klaus Müller. „Wir möchten aber auch ganz ausdrücklich all denen danken, die Projektvorschläge für die Preisvergabe eingereicht haben und natürlich den vielen Aktivist*innen, die diese Projekte verwirklichen. Hinweisen möchte ich darauf, dass der Anteil an Förderanträgen aus dem trans* Spektrum in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Trotzdem würden wir uns sehr darüber freuen, noch mehr Projekte aus den trans* und inter* Communities unterstützen zu können.“

 

Frede Krischan Macioszek und Gregöre Elisabeth Hamann betonen als Impulsgeber*innen und Organisator*innen des Projekts: „Für unsere Praxisgruppe ,Klassismus und trans*inter*nicht-binär‘ ist uns wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem tin* (trans*, inter* und nicht-binäre) Personen, die Klassismus erfahren (haben), ihre Erfahrungen aus tagtäglichen Situationen und ihrer Vergangenheit teilen, sich kennenlernen und sich gegenseitig über einen längeren Zeitraum hinweg unterstützen können. Vieles finden wir gerade erst noch heraus. Wir haben selbst noch einige Fragen für uns und lernen in jeder unserer Einheiten hinzu.“ Ihre aktivistische Erfahrung zeigt das Potential solidarisch gestalteter Orte: „Privilegien sind nichts Schlechtes und können geteilt werden. Wir haben Hoffnung auf eine größere Sensibilität, Sichtbarkeit und Verbündetenschaft untereinander, gerade in tin* Communities. Hierfür ist wichtig, über eigene Klassenhintergründe und -zugehörigkeiten zu sprechen, über Scham zu sprechen und hinweg zu kommen, über Privilegien zu sprechen und sie zu teilen, gerade da, wo es schwieriger ist.“

 

Janka Kluge weist abschließend auf die Preisvergabe hin: „Die für den Januar geplante Veranstaltung zu Ehren von Waltraud Schiffels mussten wir aufgrund der Corona-Pandemie leider absagen. Sie wird am Nachmittag des 23. Juli 2022 in Saarbrücken, dem Lebens- und Wirkungsort von Waltraud Schiffels nachgeholt. Ort und genaue Uhrzeit werden wir noch bekanntgeben. Der neue Termin gibt uns nun die Möglichkeit, den Waltraud-Schiffels-Preis im Rahmen dieser Veranstaltung offiziell an Frede und Gregöre zu übergeben. Wir werden darüber hinaus an diesem Tag auch bekanntgeben, wer den ersten Ehrenpreis für ihr*sein Lebenswerk als trans* Aktivist*in erhalten wird.“

 

Die diesjährigen Preisträger*innen Gregöre Elisabeth Hamann und Frede Krischan Macioszek beschreiben sich wie folgt:

Gregöre Elisabeth Hamann (Pronomen sier oder Gregöre) definiert sich als nicht-binär transweiblich, weiß mit einem ostdeutschen Armuts-Klassenhintergrund mit Uni-Bildungsabschluss. Sier arbeitet freiberuflich mit Moderation, Mediation, Gruppenprozessleitung und Workshop / Trainings. gregoere-begleitung.de oder @gregoere_eli

Frede Krischan Macioszek definiert sich als trans*, endo, weiß, hat einen post-ost Spätaussiedler*innenhintergrund und ist in einer katholischen Herkunftsfamilie groß geworden. Klassenübergänger*in und in erster Generation studiert und seit einigen Jahren in wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Kontexten zu verschiedenen Themen tätig. Neben Klassismus lehrt und schreibt Frede zu Themen rund um Geschlecht, Sexualität, Scham und Verletzlichkeit. Sammelbandherausgeber*in https://www.edition-assemblage.de/buecher/klassenfahrt/ (@frede_krisch).

Mehr Informationen zum Projekt finden sich auf den Seiten von Gregöre Elisabeth Hamann.

 


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